Von der Idee zur Umsetzung: Wie Jugendliche an einer Thüringer Schule ins Machen kommen

An der Jenaplanschule Weimar haben Schülerinnen und Schüler in einer Projektwoche vor den Sommerferien erlebt, was passiert, wenn aus einer Herausforderung eine Idee und aus einer Idee ein konkretes Projekt wird.

Am Anfang ist es wuselig, als die 47 Schüler:innen der 11. Jahrgangsstufe sich erst in zwei Gruppen und dann in mehreren kleinen Teams zusammenfinden. Doch schnell wird deutlich: viele wissen schon sehr genau, was die Herausforderungen sind, die sie gerne angehen würden. Denn im kommenden Jahr steht für sie das Abitur an, und rundherum muss einiges geplant und organisiert werden.

„Was soll bleiben, wenn wir die Schule verlassen?“

Seien es Location, Ablauf und Verpflegung des Abiballs, Abschlusspullover oder -zeitung oder ein letzter Schultag, der in Erinnerung bleibt. So setzt sich eine Gruppe auch dafür ein, kostenfreie Hygieneprodukte auf den Toiletten einzuführen.  Vor den Sommerferien haben die Schüler:innen nun vier Tage Zeit, um begleitet vom Team der Koordinierungsstelle Schülerfirmen Thüringen Ideen zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Der Grundsatz: Die Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns. Dabei geht es aber nicht (nur) um Verkauf, Gewinn und Konkurrenz. Im Mittelpunkt steht eine Haltung: die eigene Lebenswelt als veränderbar wahrzunehmen und selbst aktiv zu werden.

Erst verstehen, dann Ideen entwickeln

Am ersten Tag lernen die Jugendlichen Methoden aus dem Design Thinking kennen. Sie benennen Herausforderungen, führen Interviews, versetzen sich in andere Perspektiven und entwickeln erste Ideen. Aus vielen Einfällen werden nach und nach konkrete Lösungsansätze. Prototypen aus LEGO® machen sichtbar, was vorher nur im Kopf existierte und zeigen, was die zentralen Dreh- und Angelpunkte jeder Idee sind.

Aus einer Idee wird ein Projekt

Am zweiten Tag wird es konkreter. Die Projektgruppen formulieren Ziele, planen Meilensteine und überlegen, welche Schritte notwendig sind, um ihre Idee umzusetzen. Werkzeuge wie SMARTe Ziele und Kanban-Boards helfen dabei, aus einer guten Idee einen realistischen Plan zu machen.

„Ein Projekt aufzubauen und durchzuziehen ist schwer und eure Tools und Übungen geben einem gute Werkzeuge“,  kommentiert ein Schüler rückblickend.

Dabei lernen die Jugendlichen ganz nebenbei Kompetenzen, die weit über die Projektwoche hinausreichen: Aufgaben verteilen, Verantwortung übernehmen, Fortschritte überprüfen, Blockaden erkennen und gemeinsam Lösungen finden.

Der entscheidende Moment: Jetzt wird umgesetzt

Am dritten Tag arbeiten die Projektgruppen an ihren Ideen. Sie organisieren, gestalten, recherchieren, führen Umfragen durch und korrigieren ihren Plan, wenn etwas nicht funktioniert. Manuel Vogel vom Programmteam begleitet sie dabei und ist für Rückfragen ansprechbar. Die Verantwortung für den Prozess liegt aber ganz bei den Jugendlichen.

„Es ist schön zu sehen, wie an diesem Tag alles zusammenkommt. Die vielen Methoden und Übungen, die wir vorher in den Prozess reingeben und die für die Jugendlichen im ersten Moment nicht immer Sinn ergeben, zahlen sich hier aus. Sie legen los, sind motiviert und kommen immer wieder zu erstaunlichen Ergebnissen."

Dabei müssen die Jugendlichen mit ganz praktischen Fragen umgehen: Was brauchen wir? Wer übernimmt welche Aufgabe? Was schaffen wir in der verfügbaren Zeit? Wo kommen wir nicht weiter? Und wie können wir unser Projekt so präsentieren, dass andere verstehen, was wir erreicht haben?

Am Ende steht nicht nur ein Ergebnis

Am letzten Tag präsentieren die Gruppen ihre Projekte. Sie pitchen ihre Ideen, zeigen ihre Ergebnisse und reflektieren ihren Arbeitsprozess. Was hat gut funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten? Was würden wir beim nächsten Mal anders machen? Und wie könnte es weitergehen?

Auch wenn einige Projekte noch einen langen Weg haben, bis sie vollendet sind – der Abiball ist schließlich erst in einem Jahr – wird in diesen Präsentationen sichtbar, was in kurzer Zeit möglich ist, wenn die Jugendlichen im Team Verantwortung übernehmen.

„Was nehme ich mit? Bessere Planungskünste, Teamgeist, tolle Ideen!“, ist das Fazit einer Schülerin.

Eine Sache möchten die Schüler:innen aber noch mitgeben: Eigentlich wäre es hilfreich gewesen, dieses Projektwoche schon früher in die Schullaufbahn zu integrieren. Zum Beispiel für die Ideenfindung und Planung zur Seminarfacharbeit. Und vielleicht schafft ja damit diese 11. Jahrgang eine neue Tradition für die nachfolgenden Jahrgänge, um gut vorbereitet in die Seminarfacharbeit zu starten.

Interesse an einer Projektwoche?

Das Angebot „Unternehmerische Mikroprojekte – von der Idee zur Umsetzung“ kann flexibel an die Bedingungen Ihrer Schule angepasst werden. Das Team der Koordinierungsstelle Schülerfirmen Thüringen begleitet die Schüler:innen mit erprobten Methoden und Materialien von der ersten Idee bis zur Präsentation des Ergebnisses. Die Workshops verbinden Kreativität und praktische Umsetzung mit Methoden aus Projektmanagement, Marketing, Finanzplanung, Präsentation und Reflexion und sind für Schulen in Thüringen kostenfrei.

Weitere Informationen und Buchung:https://eveeno.com/VonderIdeezurUmsetzung

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